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ElektrizitÀt
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ElektrizitĂ€t (von altgriechisch ጀλΔÎșÏ„ÏÎżÎœ ēlektron, deutsch ‚Bernstein‘) ist der physikalische Oberbegriff fĂŒr alle PhĂ€nomene, die ihre Ursache in ruhender oder bewegter elektrischer Ladung haben. Dies umfasst viele aus dem Alltag bekannte PhĂ€nomene wie Blitze oder die Kraftwirkung des Magnetismus. Der Begriff der ElektrizitĂ€t ist in der Naturwissenschaft nicht streng abgegrenzt, es werden aber bestimmte Eigenschaften zum Kernbereich der ElektrizitĂ€t gezĂ€hlt:

‱ Die elektrische Ladung. Sie ist eine Eigenschaft bestimmter atomarer Teilchen wie der negativ geladenen Elektronen und der positiv geladenen Protonen, die als LadungstrĂ€ger bezeichnet werden, und wird in der Einheit Coulomb gemessen. Die Bezeichnung positiv bzw. negativ ist willkĂŒrlich gewĂ€hlt. Wesentliche Eigenschaft ist, dass sich gleichnamige elektrische Ladungen abstoßen, wĂ€hrend sich ungleiche Ladungen anziehen.
‱ Der elektrische Strom. Er beschreibt eine Bewegung von elektrischen LadungstrĂ€gern, wird in der Einheit Ampere gemessen und ist unter anderem Ursache von magnetischen Feldern. Durch bewegte elektrische Ladungen werden Magnetfelder erzeugt. Elektromagnetische Felder, die im Bereich der Elektrodynamik beschrieben werden, können sich unabhĂ€ngig von elektrischen Leitern im Raum ausbreiten.
‱ Das elektrische Feld beschreibt die von elektrischen Ladungen hervorgerufenen ZustandsgrĂ¶ĂŸen des Raumes, die man als elektrische FeldstĂ€rke und elektrisches Potential bezeichnet. Die als Potentialdifferenz definierte elektrische Spannung wird ĂŒblicherweise in der Einheit Volt gemessen.

VorgĂ€nge, bei denen keine zeitliche oder keine wesentliche zeitliche Änderung auftritt, werden der Elektrostatik zugeordnet. VorgĂ€nge, bei denen die zeitliche Änderung einen wesentlichen Einfluss hat, werden zur Elektrodynamik gezĂ€hlt.

Die ElektrizitĂ€t ist ein Teilgebiet des Elektromagnetismus. Die zugrundeliegende Grundkraft heißt elektromagnetische Wechselwirkung.

Contents

‱ Bedeutung
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Geschichte der Erforschung

Siehe auch

:

Geschichtsabschnitt im Artikel „Elektrische Ladung“

und

Geschichtsabschnitt im Artikel „Elektrotechnik“

PhĂ€nomene der ElektrizitĂ€t sind in der natĂŒrlichen Umgebung des Menschen vorhanden; das wohl bekannteste und spektakulĂ€rste Auftreten ist in der Meteorologie der Blitz. Das Auftreten des elektrischen Schocks, den bestimmte Fische wie der Zitterrochen oder der Zitteraal zum Beutefang einsetzen, war im alten Ägypten um 2750 v. Chr. bekannt.cite-ref-1[1] In der Antike war den alten Griechen bereits die elektrostatische Aufladung des Bernsteins (griech. ጀλΔÎșÏ„ÏÎżÎœ, elektron) bekannt. Diese Erkenntnis wird dem Naturphilosophen Thales von Milet zugeschrieben, der um 600 v. Chr. die Anziehungskraft des Bernsteins beschrieb.

Im 1. Jahrhundert v. Chr. wurden parthische TongefĂ€ĂŸe in der NĂ€he von Bagdad verwendet, die 1936 von Wilhelm König gefunden wurden und auch als Bagdad-Batterie bekannt sind. Diese GefĂ€ĂŸe enthielten einen Eisenstab und einen Kupferzylinder, der mit Asphalt abgedichtet war. Versuche des Roemer- und Pelizaeus-Museums in Hildesheim zeigten, dass mit dieser Anordnung und Traubensaft als Elektrolyt eine Spannung von 0,5 V erreicht werden konnte. Die Verwendung als eine Art Batterie ist umstritten.

Eine gezielte und praktische Anwendung der ElektrizitĂ€t erfolgte erst am Beginn der Neuzeit. Der Brite William Gilbert untersuchte systematisch die elektrische Aufladung an vielen Substanzen mit Hilfe des Versoriums und fĂŒhrte die Bezeichnung „Electrica“ ein (veröffentlicht 1600). Um 1663 entwickelte der Magdeburger BĂŒrgermeister Otto von Guericke eine drehbare Schwefelkugel, die – mit der Hand gerieben – die kosmischen WirkkrĂ€fte (virtutes mundanae) nachweisen sollte. Gezielt zum Erforschen elektrischer Wirkungen entwickelte Francis Hauksbee 1706 eine Reibungselektrisiermaschine, deren Kugel nicht mehr aus Schwefel, sondern aus Glas gebaut war.cite-ref-2[2] Diese und Ă€hnliche Elektrisiermaschinen dienten in den Folgejahrzehnten vor allem der gesellschaftlichen Belustigung.

1733 stellte der französische Naturforscher Charles du Fay fest, dass es zwei entgegengesetzte Formen der elektrischen Ladung gibt, die er zunĂ€chst als Harz- und GlaselektrizitĂ€t bezeichnete. Diese Feststellung war die Basis fĂŒr die Bezeichnung als positive und negative elektrische Ladung.cite-ref-leblanc-3-0[3]

Der niederlĂ€ndische Physiker Pieter van Musschenbroek erfand 1745 – unabhĂ€ngig von und ein Jahr nach Ewald JĂŒrgen Georg von Kleist – die Leidener Flasche, die in Deutschland auch als „Kleistsche Flasche“ bekannt ist. Die Leidener Flasche gilt als der erste Kondensator zur Speicherung von elektrischen Ladungen.

Um 1752 fand der Amerikaner Benjamin Franklin nach der schon bekannten ReibungselektrizitÀt ZusammenhÀnge mit der atmosphÀrischen ElektrizitÀt. Er erfand den Blitzableiter und interpretierte das PhÀnomen als Pluspol und Minuspol.

Der italienische Mediziner Luigi Galvani beobachtete um 1770 mit einer Elektrisiermaschine an Froschschenkeln Zuckungen eines toten Frosches. So wurde bekannt, dass ElektrizitĂ€t auch Bewegungen auslösen kann. „Tierische“ ElektrizitĂ€t an Froschschenkeln ist ĂŒbertragene elektrochemische Energie und Grundlage der Elektrochemie.

1775 erfand der italienische Physiker Alessandro Volta das Elektrophor, ein GerĂ€t zur Ladungstrennung mit Hilfe der Influenz. FĂŒnfzehn Jahre spĂ€ter entwickelte er die Voltasche SĂ€ule, die aus den Metallen Kupfer und Zink und einem Elektrolyten besteht. Diese Batterie ermöglichte erstmals die Spannungserzeugung ohne Reibung, nur aus gespeicherter chemischer Energie. Die Voltasche SĂ€ule wurde fĂŒr viele Jahre die wichtigste Apparatur zur Gleichspannungserzeugung.

Am Ende des 18. Jahrhunderts fanden und beschrieben Charles Augustin de Coulomb, Joseph Priestley, Henry Cavendish und John Robison unabhÀngig voneinander das Gesetz zur Beschreibung der Kraft zwischen zwei elektrischen Ladungen, das als Coulomb-Gesetz bekannt ist. Der deutsche Physiker Georg Simon Ohm formulierte den grundlegenden Zusammenhang zwischen elektrischem Strom und elektrischer Spannung an linearen elektrischen WiderstÀnden. Dieser Zusammenhang wird spÀter als ohmsches Gesetz bekannt.

Am 2. Mai 1800 gelang es den britischen Chemikern William Nicholson und Anthony Carlisle erstmals, mit einer Gleichspannung einen elektrischen Strom durch Wasser zu leiten und dieses somit in seine chemischen Grundbestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zu zerlegen. Damit sind beide die Entdecker der Elektrolyse.cite-ref-4[4]

Um 1810 erzeugte der Chemiker Humphry Davy zwischen zwei Kohlestiften, die mit einer Batterie als Spannungsversorger verbunden waren, einen Lichtbogen und schuf damit die Grundlagen fĂŒr die Kohlebogenlampe.

Um 1820 beobachtete Hans Christian Ørsted die Ablenkung einer Magnetnadel durch Stromeinfluss. AndrĂ©-Marie AmpĂšre, ein französischer Physiker, deutete und beschrieb darauf aufbauend die StĂ€rke des Magnetfeldausschlags in AbhĂ€ngigkeit zur StromstĂ€rke. Er erfand das „Amperemeter“, die Theorie des elektrischen Telegrafen, erstmals angewandt von Carl Friedrich Gauß und Wilhelm Eduard Weber, und den Elektromagneten.

Der britische Physiker Michael Faraday gilt als einer der BegrĂŒnder der Elektrodynamik. Er formulierte erstmals das Induktionsgesetz und beschĂ€ftigte sich in weiteren Arbeiten mit den Gesetzen der Elektrolyse. Er schuf so die Grundlagen zur Erfindung der Telegraphie. Der schottische Physiker James Clerk Maxwell konzipierte 1864 die grundlegende Theorie der klassischen Elektrodynamik in Form der Maxwell-Gleichungen und verband damit Effekte ruhender und bewegter Ladungen sowie deren Felder zur Beschreibung elektromagnetischer PhĂ€nomene. Aus diesen GesetzmĂ€ĂŸigkeiten folgerte er die Existenz der elektromagnetischen Wellen. Er identifizierte das Licht als eine Erscheinungsform von elektromagnetischen Wellen.

Ab 1830, nachdem die notwendigen GesetzmĂ€ĂŸigkeiten bekannt waren, setzte eine breite Anwendung der ElektrizitĂ€t ein. Diese technischen Anwendungen werden unter dem Begriff Elektrotechnik zusammengefasst. Seit 1831 experimentierten mehrere Forscher damit, den Elektromagnetismus fĂŒr elektrische Antriebe und zur elektromechanischen Stromerzeugung zu nutzen. Diese gelang 1832 unabhĂ€ngig voneinander dem Franzosen Hippolyte Pixii und dem Italiener Salvatore Dal Negro. Im Jahr 1833 konstruierten und betrieben Carl Friedrich Gauß und Wilhelm Weber in Göttingen den weltweit ersten elektro­magnetischen Telegrafen (siehe auch: Gauß-Weber-Telegraf). 1834 meldete der US-Amerikaner Thomas Davenport ein Patent fĂŒr eine elektrische Lokomotive an. Samuel Morse baute 1833 den ersten brauchbaren Schreibtelegrafen (Morseapparat). Mit der von ihm eingerichteten Telegrafenlinie Baltimore–Washington und dem von Alfred Vail entwickelten Amerikanisches Morsealphabet begann 1844 das Zeitalter der elektrischen Kommunikation – und damit der Gleichzeitigkeit. In den Jahren 1843/1844 gelang Henri Adolphe Archereau und Louis-Joseph Deleuil mit Kohlebogenlampen auf der Place de la Concorde in Paris erstmals die elektrische Beleuchtung eines öffentlichen Platzes.

Die Stromerzeugung (und damit ebenso die Möglichkeit des elektrischen Antriebs) mit einer elektrischen Maschine ohne Permanentmagnet gelang 1851 dem Slowaken Ányos Jedlik, 1854 dem DĂ€nen SĂžren Hjorth, der dafĂŒr im selben Jahr das englische Patent Nr. 2198 erhielt, und 1866 Werner von Siemens, der sie zur Serienreife brachte.

Im Jahr 1881 fand in Paris die erste internationale ElektrizitĂ€tsausstellung statt, parallel dazu tagte der erste internationale ElektrizitĂ€tskongress, auf dem einheitliche Maßeinheiten und andere Standards festgelegt wurden. 1882 wurde erstmals eine elektrische Energieversorgung ĂŒber eine große Entfernung installiert, mit der 57 km langen Gleichstromleitung Miesbach–MĂŒnchen. 1886 begrĂŒndete Nikola Tesla mit Hilfe seines Sponsors George Westinghouse die heute gebrĂ€uchliche elektrische EnergieĂŒbertragung mittels Wechselstroms. 1891 gelang die erste FernĂŒbertragung von heute in der Energietechnik ĂŒblichem Dreiphasenwechselstrom mit der DrehstromĂŒbertragung Lauffen–Frankfurt ĂŒber 176 km.

In den Folgejahren kam es in der Elektrotechnik zu einer zunehmenden Spezialisierung. WĂ€hrend die nach wie vor eng mit dem Maschinenbau verbundene elektrische Energietechnik zu der Energieversorgung von Haushalten, Betrieben und Fabriken diente, verfolgte der Zweig der Nachrichtentechnik das Ziel, Information wie Nachrichten mit geringen zeitlichen Verzögerungen ĂŒber weite Distanzen zu ĂŒbertragen. Um 1895 fĂŒhrte Guglielmo Marconi in Bologna erste Funkversuche durch. Er baute hierbei auf den Entdeckungen von Heinrich Hertz, Alexander Stepanowitsch Popow und Édouard Branly auf. Am 24. MĂ€rz 1896 gelang Popow auf funktechnischem Wege die Übertragung der Worte „Heinrich Hertz“ wĂ€hrend einer Demonstration vor der Russischen Physikalischen Gesellschaft.

Das 20. Jahrhundert ist durch eine starke Erweiterung des TheoriegebĂ€udes gekennzeichnet. Die klassische Elektrodynamik von Maxwell wurde im Rahmen der speziellen RelativitĂ€tstheorie zur relativistischen Elektrodynamik erweitert. Mitte des 20. Jahrhunderts erfolgte, insbesondere durch Arbeiten des amerikanischen Physikers Richard Feynman, die Erweiterung zu der Quantenelektrodynamik. FĂŒr diese Arbeit erhielten 1965 Shin’ichirƍ Tomonaga, Julian Schwinger und Richard Feynman den Nobelpreis fĂŒr Physik „fĂŒr ihre fundamentale Leistung in der Quantenelektrodynamik, mit tiefgehenden Konsequenzen fĂŒr die Elementarteilchenphysik“. Die Quantenelektrodynamik (QED) ist im Rahmen der Quantenphysik die quantenfeldtheoretische Beschreibung des Elektromagnetismus. 1979 erhielten Sheldon Glashow, Steven Weinberg und Abdus Salam den Nobelpreis fĂŒr Physik „fĂŒr ihre BeitrĂ€ge an der Theorie der vereinigten schwachen und elektromagnetischen Wechselwirkung zwischen Elementarteilchen, einschließlich u. a. die Voraussage der schwachen neutralen Ströme“ (Elektroschwache Wechselwirkung).

In der technischen Anwendung des 20. Jahrhunderts wurde 1897 von Ferdinand Braun die Kathodenstrahlröhre entwickelt, die die Grundlage der ersten Fernsehapparate darstellt. 1911 beobachtete der NiederlÀnder Heike Kamerlingh Onnes als erster Mensch den Effekt der Supraleitung. Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelten Walter H. Brattain, John Bardeen und William Shockley den Transistor, der in den Folgejahren die Grundlage der ersten integrierten Schaltungen und der Computertechnik war.

ElektrizitÀt im Alltag

→

Hauptartikel

:

Elektrifizierung

Im heutigen Alltag ist ElektrizitĂ€t im Sinne von elektrischer Energie unentbehrlich, was dem Menschen meistens erst durch AusfĂ€lle von Versorgungsnetzen wieder bewusst wird. Allerdings haben 1,4 Milliarden Menschen weltweit keinen Zugang zu elektrischer Energie.cite-ref-5[5] Die Erzeugung dieses EnergietrĂ€gers erfolgt fast immer in Kraftwerken, die Verteilung erfolgt flĂ€chendeckend durch Unternehmen der Stromnetze (siehe ElektrizitĂ€t/Tabellen und Grafiken). Seit ĂŒber einem Jahrhundert bestimmen Anwendungen von ElektrizitĂ€t wie elektrisches Licht, WĂ€rme und Kraft mehr und mehr das menschliche Leben. Eine wesentliche Bedeutung nimmt die ElektrizitĂ€t im Bereich der Kommunikationstechnologie und Informationstechnologie ein.

ElektrizitĂ€t in natĂŒrlicher Form tritt neben Blitzen auch weniger spektakulĂ€r in Form einer InformationsĂŒbertragung in Nervensystemen von Lebewesen auf. Dabei treten nur sehr kleine Spannungen auf. ElektrizitĂ€t hat je nach StĂ€rke auch unterschiedliche Auswirkungen auf den menschlichen Körper. FĂŒr StromunfĂ€lle ist die StĂ€rke und die Einwirkdauer des elektrischen Stromes auf den menschlichen Körper wesentlich. Elektrische Ströme ab zirka 30 mA können gefĂ€hrlich sein und AtemlĂ€hmungen und Herzstillstand verursachen. Elektrischer Strom wird auch eingesetzt, um Menschen gezielt zu töten, wie dieses etwa mit dem elektrischen Stuhl geschieht.

ElektrizitÀt von Festkörpern

Festkörper, die keine oder nur geringe elektrische LeitfÀhigkeit besitzen, werden nach ihrem Verhalten in elektrischen und magnetischen Feldern eingeordnet.

Ursache des unterschiedlichen Verhaltens der Materie in einem Feld ist das Vorhandensein bzw. Nichtvorhandensein von entsprechenden Dipolen und deren Verhalten. Dies wird durch die Verwendung der entsprechenden Vorsilbe fĂŒr beide Felder Ă€quivalent beschrieben (vgl. Magnetismus von Festkörpern). Es bedeutet dabei:cite-ref-6[6]

| Elektrikum | ErklÀrung |
|---|---|
| Dielektrikum | In dielektrischen Materialien liegen keine elektrischen Dipole vor. Es können allerdings durch externe elektrische Felder entsprechende Dipole induziert werden. Anders als bei diamagnetischen Materialien sind die Dipole in dielektrischen Materialien in Richtung des elektrischen Feldes orientiert (elektrische PermittivitĂ€t Δ r > 1). Diese Dipole existieren nur solange sich das Material in einem elektrischen Feld befindet. Jede Form von Materie – egal ob fest, flĂŒssig oder gasförmig – ist dielektrisch. |
| Paraelektrikum | Liegen in der Materie orientierbare Dipole vor, die jedoch keine stabile langreichweitige Ordnung ausbilden, werden diese Stoffe als Paraelektrikum bezeichnet. DarĂŒber hinaus werden sie durch ein extern angelegtes elektrisches Feld in Feldrichtung ausgerichtet. Die dabei entstehende Polarisation verschwindet, wenn das Feld abgeschaltet wird. Es gilt auch hier: Δ r > 1. Die elektrische PermittivitĂ€t ist im Unterschied zum dielektrischen Fall temperaturabhĂ€ngig. Somit können beide Effekte unterschieden werden. FlĂŒssigkeiten und Gase können auch paraelektrisch sein. |
| Ferroelektrikum | In einem Ferroelektrikum liegen alle Dipole parallel zueinander. Nimmt man ein Ferroelektrikum aus einem elektrischen Feld, so verbleibt eine elektrische Polarisation. Ferroelektrika gehören auch zur Gruppe der Piezoelektrika. |
| Antiferroelektrikum | In einem Antiferroelektrikum sind die Dipole in zwei Untergitter gegenseitig antiparallel ausgerichtet. Das heißt, die Polarisation der Untergitter ist betragsgleich aber entgegengesetzt orientiert. Daher haben Antiferroelektrika außerhalb eines elektrischen Feldes keine Polarisation. |
| Ferrielektrikum | In einem Ferrielektrikum liegen Ă€hnliche VerhĂ€ltnisse wie in einem Antiferroelektrikum vor, das heißt, die Dipole sind ebenfalls in zwei Untergitter gegenseitig antiparallel ausgerichtet. Im Unterschied zum Antiferroelektrikum sind die jeweiligen Polarisationen aber nicht betragsgleich. Daher besitzen sie wie Ferroelektrika eine Polarisation, wenn man sie aus einem elektrischen Feld herausnimmt. |

Mit den Vorsilben Ferro-, Ferri- und Antiferro- werden unterschiedliche Formen einer langreichweitigen Ordnung von Dipolen bezeichnet. Die Bereiche gleicher Ordnung werden DomĂ€nen genannt. Sie entsprechen den weissschen Bezirken im Magnetismus. Alle diese Materialien sind Festkörper, von denen viele eine paraelektrische Hochtemperaturphase besitzen. Die Ausrichtung der Dipole kann durch ein ausreichend starkes Ă€ußeres Feld umgekehrt werden. Dies fĂŒhrt zu einer Hysterese. Die einzelnen Formen kann man durch die Art der Hysterese unterscheiden.

Bedeutung

Naturwissenschaften

Die verschiedenen PhÀnomene der ElektrizitÀt sind BetrachtungsgegenstÀnde in Teilen der Physik und der Chemie:

‱ Elektrostatik beschĂ€ftigt sich mit ruhenden elektrischen Ladungen, Ladungsverteilungen und elektrischen Feldern geladener Körper.
‱ Klassische Elektrodynamik beschĂ€ftigt sich mit zeitlich konstanten magnetischen Feldern, sich zeitlich Ă€ndernden elektrischen und magnetischen Feldern und elektromagnetischen Wellen.
‱ Quantenelektrodynamik stellt eine Erweiterung der klassischen Elektrodynamik um die quantenfeldtheoretische Beschreibung des Elektromagnetismus dar.
‱ Festkörperphysik beschreibt unter anderem das Verhalten elektrischer Ladungen in festen Stoffen wie elektrischen Leitern, Halbleitern und Nichtleitern, sowie Thermo-, Pyro- und PiezoelektrizitĂ€t.
‱ Elektrochemie beschreibt den Zusammenhang zwischen elektrischen und chemischen VorgĂ€ngen, wie sie bei Batterien und Akkumulatoren vorkommen.

Ingenieurwissenschaften

Die Elektrotechnik bezeichnet denjenigen Bereich der Ingenieurwissenschaft und Technik, der sich mit allen Aspekten der ElektrizitĂ€t befasst. Das Spektrum reicht von der elektrischen Energietechnik wie der Stromerzeugung, ĂŒber die Regelungs-, Steuerungs- und Messtechnik, ĂŒber die Elektronik, Mikro- und Nanoelektronik bis zur Automatisierungstechnik, der Nachrichtentechnik und der Hochfrequenztechnik als mögliche StudiengĂ€nge der Elektrotechnik. Das theoretische Fundament bildet die theoretische Elektrotechnik.

Die große Bedeutung der elektrischen Energie liegt darin, dass sie in Hochspannungsleitungen transportiert werden kann und sich einfach in andere Energiearten wie mechanische Arbeit, WĂ€rme, Licht oder Schall umwandeln lĂ€sst. Elektrische Energie kann allerdings nur schlecht gespeichert werden und muss dazu in andere EnergietrĂ€ger wie in Form chemischer Energie bei Akkumulatoren oder in potentielle Energie wie bei Pumpspeicherkraftwerken umgewandelt werden.

Wirtschaftswissenschaften

Die ElektrizitÀtswirtschaft bezeichnet denjenigen Bereich der Energiewirtschaft, der sich mit allen Aspekten der ElektrizitÀt befasst.

Siehe auch
Literatur

‱ Klaus Heuck, Klaus-Dieter Dettmann, Detlef Schulz: Elektrische Energieversorgung. Erzeugung, Übertragung und Verteilung elektrischer Energie fĂŒr Studium und Praxis. 8., ĂŒberarbeitete und aktualisierte Auflage. Vieweg + Teubner, Wiesbaden 2010, ISBN 3-8348-0736-2.
‱ Adolf J. Schwab: Elektroenergiesysteme – Erzeugung, Transport, Übertragung und Verteilung elektrischer Energie. 3. Auflage. Springer, Heidelberg 2012, ISBN 978-3-642-21957-3.
‱ Dirk Johannes Willem Sjobbema: Geschichte der Elektronik. Elektor, Aachen 1999, ISBN 3-89576-066-8.

Weblinks

Commons

: ElektrizitÀt

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wiktionary: ElektrizitÀt

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Peter Moller: BioScience, Review: Electric Fish. Band 41, Nr. 11, Dezember 1991, S. 794–796, DOI:10.2307/1311732.
cite-note-22. ↑ Willem D. Hackmann: Electrostatic Machine. In: Robert Bud, Deborah Jean Warner (Hrsg.): Instruments of Science. An Historical Encyclopedia. Garland, New York u. a. 1998, S. 221–224.
cite-note-leblanc-33. ↑ Max Le Blanc: Lehrbuch der Elektrochemie. Verlag Oskar Leiner, Leipzig 1922, S. 33 ff.
cite-note-44. ↑ 02. Mai 1800. In: funkzentrum.de. Archiviert vom Original am 25. MĂ€rz 2019; abgerufen am 25. MĂ€rz 2019.
cite-note-55. ↑ Arm an Energie. In: SĂŒddeutsche Zeitung. 23. September 2010, S. 16.
cite-note-66. ↑ Dieter Meschede, Christian Gerthsen: Gerthsen Physik. Springer, 2010, ISBN 978-3-642-12893-6, S. 403–411.